Montag, 26. August 2013

Rezension: Das Ereignis von Jancu Sinca


Inhalt:
Ein Mann sitzt an seinem Schreibtisch, er will etwas aufschreiben. Ein Ereignis beschäftigt ihn. Er versucht es einzukreisen, bekommt es aber nicht zu fassen. Seine Gedanken schweifen ab, er träumt von einem Zug, der ihn fortbringen könnte, fort von seinem belanglosen Leben, seinem Beruf als Bibliothekar, dem nicht gelebten Traum Schauspieler zu werden und der unerfüllten Liebe zu einer jungen Frau.
Diese Frau, eine Arbeitskollegin von ihm, hat sie etwas mit dem Ereignis zu tun? Alles begann mit einem Schrei. Der Bibliothekar hörte ihn bei einem Spaziergang am Neckar. Er sah aufs Wasser hinaus, konnte jedoch niemanden entdecken. Vielleicht kam der Schrei auch aus dem Wald. Er rang mit sich selbst, sollte er der Sache nachgehen, Hilfe leisten, oder war es vielleicht nur ein Freudenschrei, ausgestoßen bei einem Spiel unter Freunden? Letztlich tat er nichts, kehrte nach Hause zurück.
Dieses Ereignis geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Hat er sich schuldig gemacht, schuldig der unterlassenen Hilfeleistung, oder ist er noch viel tiefer darin verstrickt, als er gegenüber sich selbst zugeben möchte? Zwanghaft zieht es ihn zurück an den Tatort und zurück an den Schreibtisch, er muss das Ereignis aufarbeiten...   
  
Bewertung:
Auf den ersten Blick scheint hier einer jener Regionalkrimis vorzuliegen, die seit Jahren unseren Buchmarkt überschwemmen. „Das Ereignis“ ist jedoch mehr als das, es ist ein Spiel mit der Wirklichkeit. Die grundlegende Frage lautet: Was ist wirklich geschehen? Hat das Ereignis tatsächlich stattgefunden, oder wird es nur in gedanklicher Form im Kopf des Protagonisten durchgespielt? Ist der Mann ein Künstler oder ein Verbrecher, ist er geistig gesund oder krank? Auffällig ist, dass er von sich selbst in der Du-Form spricht, was auf eine Persönlichkeitsspaltung hindeutet. Ist sie durch das Ereignis ausgelöst worden, oder hat sie bereits vorher bestanden?
Aus der einen Frage ergeben sich viele weitere Fragen, aber nicht alle finden eine klare Antwort. Vieles bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, der dadurch angeregt wird, seine eigenen Gedanken zu entwickeln über das, was wir als Wirklichkeit bezeichnen.
Die Sprache entfaltet dabei eine hypnotische Wirkung, sie ist fein austariert und äußerst mitteilsam. Dadurch funktioniert der Text letztlich doch als Regionalkrimi, denn die Wege, die der Protagonist beschreitet, können vom Leser nachvollzogen werden, in Neckarsteinach am Neckar.
Insgesamt erinnert die Form des Textes ein wenig an Zoran Drvenkars Du, in dem der Autor seine Figuren ebenfalls sehr direkt und mit eben jenem „Du“ anredet. Wer hier an ein Plagiat denkt, liegt jedoch falsch: Sinca veröffentlichte seine Novelle fünf Jahre zuvor.        

"Das Ereignis" ist im Seidler Verlag erschienen und kostet 10,80 Euro.
Text: Elk von Lyck
Mehr über den Kritiker: Elk von Lyck.blogspot

Montag, 29. Juli 2013

Vorschau: "Die Toleranzgrenz" in Ludwigshafen


Liebe Literaturfreunde!

Es gibt viele Beispiele für die Toleranz der Pfälzer. Wir können tolerieren, dass hochdeutsch statt pfälzisch als Amtssprache eingeführt wurde, dass es auf dem Oktoberfest keine Rieslingschorle gibt und dass die Elsässer immer noch glauben, Saumagen gehöre nicht zu Choucroute. Das alles ist natürlich grundlegend falsch, aber wir können es tolerieren. Und das ist nur ein kleiner Teil. Wenn man alles aufzählen wollte, wäre das ein abendfüllendes Programm. Das glauben Sie nicht? Wir werden es Ihnen beweisen!

Kommen Sie doch am Freitag, dem 2. August, um 20:30 Uhr auf den Lutherplatz, Maxstr. 33 in 67059 Ludwigshafen zur Spätlese unter dem Titel „Mir Pälzer sin gons tolerant“.
Barbara Schipper, Monika Provo und ich werden Sie von der Toleranz der Pfälzer überzeugen. Es gibt wieder ein paar Überraschungen von Familie Montana, den Inhabern des „La Torre da Angelo“, und ganz zum Schluss erleben Sie meinen ersten Sketch für drei Personen mit dem Titel „Die Toleranzgrenz“. Denn irgendwo hat alles seine Grenzen.

Wir freuen uns auf Sie.

Liebe Grüße
Edith Brünnler


Samstag, 6. Juli 2013

Vorschau: Olga Manj zu Gast im Bermudafunk


Liebe Literaturfreunde,
entweder ist es zu warm, zu kalt oder es regnet. Bei diesem Sommerwetter kann es nur von Vorteil sein, wenn man zu einer Lesung nicht aus dem Haus muss.
Meine Buchvorstellung "Hochzeitssuppen" kommt im Rahmen der Sendung "Mach-mit-Radio" frei Haus.
MACH-MIT-RADIO, Sendung im Radio Bermuda Funk am Samstag, den 27. Juli 2013 um 16 Uhr im Bermuda-Funk streaming.bermudafunk.org für Mannheim und Heidelberg werde ich aus meinem neuen Buch "Hochzeitssuppen" vorlesen und auch etwas über mich und meine früheren Veröffentlichungen erzählen. Ich bringe Musik von Gerry Lane mit. Die Sendung wird von Reiner + Sabine moderiert.
Ich freue mich, wenn Ihr zum Zuhören kommt.

Viele Grüße
Olga Manj

Hier ist der Link zur Webseite der Autorin.

Samstag, 29. Juni 2013

Vorschau: "Guten Morgen, Europa!" in Ludwigshafen


Liebe Literaturfreunde,

woran denken Sie, wenn Sie „Europa“ hören? An Sparmaßnahmen und Rettungsschirme? An die Bestrebungen zur Abschaffung des Euros? An eine europäisch-amerikanische Freihandelszone? Vielleicht hat sich bei Ihnen aber auch schon eine gewisse Europaverdrossenheit breit gemacht und Sie haben diese ewig gleichen Debatten zu denselben Themen gründlich satt. Dann wird es Zeit für neue Denkanstöße.

Vergessen Sie alles, was Sie je über Europa gehört haben und kommen Sie am Donnerstag, dem 4. Juli, um 19:30 Uhr in die Stadtbibliothek, Bismarckstr. 44-48 in 67059 Ludwigshafen. Dort findet unter dem Titel „Guten Morgen, Europa!“ die jährliche Lesung der „Literaturwerkstatt Ludwigshafen-Mannheim“ zum Kultursommer statt.
Ich bin sicher, anschließend werden Sie Europa mit ganz anderen Augen sehen. Wir freuen uns auf Sie.
 
Liebe Grüße
Edith Brünnler

PS: Der Eintritt kostet 3 € / ermäßigt 2 €. 


Freitag, 14. Juni 2013

Rezension: Nebelkopfhütte von Ehlert, Butzmann, Sinca, Manj und Seidler


Das erste, was ich über dieses Buch erfuhr, war, dass es von fünf Autoren stammt. Ich fragte mich: "Das soll funktionieren? Verderben viele Köche nicht den Brei?" Die Antwort ergibt sich nach wenigen Seiten: Es funktioniert hervorragend. Das Buch besitzt fünf Hauptfiguren, und jeder Autor schrieb eine der Figuren. Auf 246 Seiten entfaltet sich die Geschichte um eine Gruppe ehemaliger Schulfreunde.

Ein sonniger Oktober geht zu Ende. Katharina hat ihre fünf früheren Freunde zu einem Wochenende in die Nebelkopfhütte, eine kleine Berghütte, eingeladen. Zum ersten Mal nach über zwanzig Jahren treffen sie sich. Da gibt es viel zu erzählen. Siggi arbeitet heute als Leichenwäscher und hat oft schwere Träume. Eduard, genannt Edi, war früher mal mit Katharina liiert. Isabell schließlich arbeitet im Institut für Tropenmedizin, sie hängt gerne esoterischen Gedanken und Ritualen nach. Niko ist sportlich und hat den Aufenthalt am planmäßigsten vorbereitet. Diese vier treffen sich in einem Gasthof im Tal und machen sich auf den Weg zur Hütte. Zwei fehlen. Jasmin kommt zu spät und beschließt, in dem Gasthof auf Katharina zu warten.


Auch über die fehlende Katharina gibt es viel zu erzählen. Sie war die Anführerin der Clique. Oft spielte sie mit ihrer Macht und lebte ihren Hang zu schwarzen Ritualen aus. Einmal stiftete sie die anderen an, einen Schädel aus einem Grab zu stehlen.


An den nächsten beiden Tagen wandert die kleine Gruppe in den Bergen umher. Katharina kam nicht. Ihr Fehlen wird immer unheimlicher, besonders als die Freunde den Eindruck haben, in ihrer Abwesenheit wäre jemand in die Hütte eingedrungen. Nach einem Streit macht sich Edi alleine auf den Weg zurück. Ein Gewitter zieht auf.


Den Autoren gelingt es nicht nur, die Charaktere sehr feinfühlig und pointiert zu schildern. Die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Figuren beschrieben sind, führen an manchen Stellen zu Überblendungen. Die Personen werden dadurch facettenreich und ihre Gedanken und ihr Handeln verständlich.
Und als dann noch zwei mysteriöse Männer mit Kapuzen in den Bergen umherstreunen, spätestens dann, stellt sich Gänsehaut ein. Was hat Katharina mit all dem zu tun? Die Spannung steigert sich von Seite zu Seite. Ein dramatisches Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. 


Nebelkopfhütte: Fünf Autoren - ein Roman
Nils Ehlert, Anette Butzmann, Jancu Sinca, Olga Manj, Lothar Seidler
Lothar Seidler Verlag, Heidelberg
Edition LitOff 2009
250 Seiten
ISBN 978-3-931382-45-2 / € 14,80   
Weitere Infos unter:  litoff.de - nebelkopfhütte

Text: Al Richard

Mittwoch, 5. Juni 2013

Mannheimer Literaturpreis 2013

Der Mannheimer Literaturpreis (vormals Heinrich-Vetter-Preis) lebt wieder auf. Nach einjähriger Pause verleihen Die Räuber `77 (Literarisches Zentrum Rhein-Neckar e.V.) 2013 erneut einen Literaturpreis.

Das gibt es zu gewinnen:
1. Preis 500 Euro
2. Preis 300 Euro
3. Preis 200 Euro

Das sind die Anforderungen:
- Das Thema lautet: Ohne Netz.
- Teilnehmen dürfen Autorinnen/Autoren, die in einem Umkreis von 100 km um Mannheim ansässig sind. Für Mitglieder der Literaturgruppen in der Metropolregion Rhein/Neckar gilt diese räumliche Beschränkung nicht.
- Unveröffentlichte Prosatexte dürfen maximal fünf Normseiten (30 Zeilen zu je 60 Anschlägen) umfassen und
- sind in vierfacher Ausfertigung einzureichen.
- Jedes Blatt ist mit einem Kennwort zu versehen.
- Name, Anschrift sowie eine Kurzbiographie sind einem verschlossenen Briefumschlag beizulegen. Auf dem Umschlag darf nur das Kennwort (nicht der Name) stehen.
- Einsendeschluss ist der 30. Juni 2013.

Das ist die Adresse:
Kulturamt der Stadt Mannheim
Mannheimer Literaturpreis der Räuber `77
E 4, 6
68159 Mannheim


Und hier ist der Link zur Originalausschreibung:
 raeuber77.de/literaturpreis_2013.html

Samstag, 25. Mai 2013

Rezension: Fremdes Brot von Wilhelm Dreischulte


Kennen Sie auch jemanden, der spannende Geschichten aus seinem Leben erzählen kann? Wie viele Lebensgeschichten wurden schon in aller Stille zu Ende gelebt, ohne dass sie für die Nachwelt festgehalten werden konnten?

In der vorliegenden Erzählung kommt es dazu, dass der Pfleger N. der 93-jährigen Frau zugeteilt wird. „Sie können mich alles fragen“, sagte sie zu ihm. Und daraus entstand die biographische Erzählung "Fremdes Brot".
Das Buch ist die erste Einzelveröffentlichung des in Frankfurt am Main lebenden Autors. Wilhelm Dreischulte ist Lehrer, außerdem ein Künstler, der mit verschiedenen Stoffen arbeitet. Sowohl sein Beruf als auch seine Nebenberufe übt er mit großer Hingabe aus. Auf dem Einband ist ein Ausschnitt aus einem Gipsrelief zu sehen, das er selbst hergestellt hat. Und dann war er ja auch einmal Pfleger. So schließt sich der Kreis. Die Handlung spielt übrigens größtenteils in der ländlichen Umgebung von Freiburg im Breisgau.
Die Frau, deren (Vor)Name interessanterweise im ganzen Text nur einmal genannt wird, hatte ihre Kindheit in der Zeit des Ersten Weltkriegs, als „man sich Kaninchen hielt, denn es gab sonst kein Fleisch“, und ihr Leben endet in einer Zeit, in der sie zwischen Brot aus zehn verschiedenen Getreidesorten wählen kann, im Hier und Jetzt. Welchen Wandel Deutschland während dieser Zeit durchgemacht hat ist zwar bekannt. Doch es ist etwas anderes, diesen Wandel mit der Frau zu erleben. Geht es dem Autor um diese Erfahrung? Nein, er zeigt einen sehr anpassungsfähigen Menschen, der aus jeder noch so vertrackten Situation das Beste machen kann und für sich immer wieder Freiräume sucht und findet. Die Frau ist als fröhlicher, humorvoller Mensch geschildert. Ein Mensch, dem wir in „Fremdes Brot“ gerne begegnen, dessen Geschichte wir gerne hören, weil sie in einer einfachen wie überzeugenden Sprache aus ihrem Mund in die Feder des Autors überging.
„Fremdes Brot“ ist ein wunderbares Geschenk für alle Generationen, für Leute, die wissen wollen, was vor unserem Hier und Jetzt war. Die größere Schrift erleichtert gerade den Älteren die Lust am Lesen.


Fremdes Brot von Wilhelm Dreischulte, Roman, Lothar Seidler Verlag,
138 Seiten,  12,80 EUR / ISBN 978-3-931382-44-5  Weitere Informationen unter seidler-verlag.de

Text: A. Netera